Freitag, 28. November 2008
Qualitätsanspruch
Massenmord in Indien. Drehort Mumbai. Die Scheinwerfer der internationalen TV-Stationen erhellen die Rauchschwaden. Terrorismusexperten geben ihre Kommentare ab, und die Presse liefert Qualität. Ein Ausriss:"... in Indien ist die Rede von einer neuen Qualität des Terrorismus ..." – Zeit Online
"Die Anschläge in Bombay haben eine völlig neue Qualität" – Merkur Online
"Die Angriffe jetzt haben aber eine ganz neue Qualität" – Stern
"Die Dimension des Anschlags hat eine neue Qualität" – Deutschlandfunk
Neue Qualität? Haben die Terroristen bislang nur Pfusch abgeliefert?
Qualität bedeutet im Ursprung Beschaffenheit, Merkmal oder Eigenschaft ohne jegliche Bewertung. Gleichwohl hat sich im alltäglichen Sprachgebrauch "die Qualität" als Synonym für die Güte entwickelt, ist darum auch positiv bewertet.
Und nun im Zusammenhang mit dem Morden in Mumbai von Qualität zu sprechen, ist (unfreiwillig) zynisch.
Montag, 24. November 2008
Donnerstag, 20. November 2008
Bert, Béla & die anderen
Bert Rürup, kennen Sie?!Wirtschaftsexperte. Chef des Sachverständigenrates. Der oberste der fünf Weisen. Im Olymp der Ökonomie. Genau der!
Geht jetzt zu AWD nach Hannover, kennen Sie?!
Nein, nicht zu Hannover 96! Das ehemalige Niedersachsen-Stadion heißt nur AWD-Arena. Seit 2002.
Nach dem neuen Namensgeber: (All)gemeiner Wirtschaftsdienst - "... unabhängiger Finanzoptimierer"
Für ihn spricht Béla Anda. Kennen Sie. Doch!
Ehemaliger Regierungssprecher der Rot-Grünen Regierung unter Schröder. Lang ist es her.
Apropos Schröder. Der war auch dabei. Der Gerd mit Doris. Auf der großen AWD-Sommerfete im letzten Juli. "Betriebsfeier mit höchster Promi-Dichte", titelte damals ganz groß die Bunte.
AWD-Gründer Carsten Maschmeyer lud zu Tisch in sein Privathaus: "Zu Ehren des Friedensnobelpreisträgers und langjährigen UN-Generalsekretärs Kofi Annan", wie es damals hieß.
Auch der Professor für Volkswirtschaftslehre von der Technischen Universität Darmstadt tafelte in dieser hochkarätigen Runde.
Aber der Nachtisch des neuen Chef-Ökonoms wird erst am 1. April 2009 aufgetischt.
Und der Verein Ehemaligen durfte nicht einmal am Katzentisch Platz nehmen.
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Mittwoch, 19. November 2008
Opel Solar
Solarworld will Opel kaufen und "zum ersten grünen europäischen Autokonzern weiterentwickeln", behauptet die Firmenleitung in einer Pressemitteilung. Kein Scherz?!Der Hersteller von Solarmodulen und Photovoltaikanlagen will angeblich eine Milliarde Euro für den Deal auftreiben. Vorbehaltlich einer Bundesbürgschaft. Ob das reicht?!
Jedenfalls sind die ersten Modellnamen der neuen Ökoflotte auch schon durchgesickert:
Das Einstiegsmodel: Sunkist
Die Mittelklasse: AstraL
Die Oberklasse: Photon
Der Kombi: Panel Tourer
Die Luxuskarosse: Le Roi Soleil
Frank Asbeck hat ein sonniges Gemüt.
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Dienstag, 18. November 2008
Schrippenhilfe
Es krümelt in der Backstube: Die Preise für Brot aus dem Supermarktregal und Backwaren vom Discounter dürften in den nächsten Monaten weiter steigen. Angesichts der nach wie vor hohen Energie- und Rohstoffpreise sei eine weitere Anhebung der Großhandelspreise bis zu 3 Prozent notwendig, erklärt der Verband deutscher Großbäckereien. Die Endverkaufspreise waren in den vergangenen 12 Monaten nach Angaben des Verbandes bereits um 7,3 Prozent gestiegen.Rund 60 Prozent des 15-Milliarden-Euro Umsatzes mit Brot- und Backwaren in Deutschland entfällt inzwischen auf die Großbäckereien, fünf Milliarden Euro auf größere Filial-Bäckereien, nur noch zwei Milliarden Euro auf die "klassischen" Einzel-Bäckereien. Und der Marktanteil der Großbäckereien nimmt stetig zu. Denn jeden Tag machen nach Verbandsangaben durchschnittlich drei kleine Bäckereien ihren Laden dicht. Nur noch 14.000 dieser Art soll es in der Republik geben.
Liebe Frau Merkel, wir brauchen einen Brötchen-Gipfel. Denn, was Klein-Opel wird gebürgt, Mutti GM gar schnell hinunter würgt.
Ihre Brötchengeber
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Montag, 17. November 2008
Hickhack um Heilmann
Rin in Wikipedia. Raus aus Wikipedia. Und wieder rin in Wikipedia.Der Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann (Die Linke) will auf weitere juristische Schritte gegen den Verein Wikimedia Deutschland verzichten. Mit einer einstweiligen Verfügung hatte Heilman zunächst die Abschaltung von Wikipedia.de erzwungen.
"Dabei ging es unter anderem um die Stasivergangenheit Heilmanns", schreibt die FTD. Sowie um "sein Verhältnis zu Linke-Lokalpolitikern und die Frage, ob er sein Jurastudium abgebrochen habe oder nur unterbrochen. Kompromittierende Beiträge wechselten sich mit Löschungen ab, die auch von Bundestagsrechnern vorgenommen wurden."
Wat denn, so zimperlich und denn bei der Stasi?
Der Spiegel berichtete schon 2005 über Heilmanns Stasi-Karriere. Und auf der seit Anfang 2000 im Internet kursierenden Liste mit 100.000 Stasi-Agenten tauchen viele "Heilmänner" auf:

Auch ein Lutz H., geboren am 07. September 1966.
Freitag, 14. November 2008
Für Axel
Ein sehr guter Freund von mir wäre heute 51 Jahre alt geworden.Er starb am 14. Januar 2002. Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Diese teuflische Nervenkrankheit kennt keine Gnade.
Und die Gedanken können sich nicht wehren.
Die Handspanne wollte die Oktave auf dem Klavier nicht mehr greifen.
Wenige Monate später lähmte das Syndrom die rechte Seite.
Dann versagten bald die Kräfte der linken Hand.
Die unheilbare Krankheit raubt dir deinen Körper.
Und du kannst nicht fliehen!
Es regnet Glas.
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Donnerstag, 13. November 2008
Denkste Puppe
Christiane zu Salm (geborene Hansen, ex-liierte Kofler) gibt ihren Job als Crossmedia-Vorstand bei Burda auf. Sie ziehe sich zurück, heißt es lapidar in der Pressemitteilung.Rückzug? Dieses Manöver passt eigentlich nicht zur taffen Ex-Geschäftsführerin von MTV, tm3 bzw. 9live. "Sie steht dem Haus für ein weiteres Jahr als Beraterin zur Verfügung". Ah, ja? Harmonie klingt anders. "Sie will Ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin verlagern". Verlagern? Viel zu passiv, da kommt noch etwas!
Vielleicht mit Antonia Rados? Die rasende Krisenreporterin hat gerade ihre Koffer beim ZDF gepackt und checkt wieder bei RTL ein. Der Grund: Ihr Lebensmittelpunkt Paris sei zu weit von Mainz entfernt. Hmmpfh ....
"Wir haben gemeinsam festgestellt, dass diese Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz mit den Arbeitsprozessen und Entscheidungsstrukturen in der ZDF-Aktualität nicht zusammenpasst", erklärte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender seinen Trennungsschmerz.
Da ist Köln schon näher dran: etwa 34 Kilometer!
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Mittwoch, 12. November 2008
Noch'n Geburtstag
Kein Tier vermag sich lachend zu zeigen,ob es nun kräht, miaut oder bellt –
das Lachen ist nur dem Menschen eigen
und deshalb nicht von dieser Welt
Heinz Erhardt

Und wem das Lachen noch nicht vergangen ist, dem sei die "Hommage an Loriot" als unterstützende Therapie empfohlen.

Noch bis zum 29. März 2009 im Museum für Film und Fernsehen in Berlin am Potsdamer Platz.
Krawehl, Krawehl! Taubtrüber Ginst am Musenhain.
Dienstag, 11. November 2008
Hier und da
Eine Sternstunde im deutschen Schulfernsehen: Der 3 1/2-Minuten Dialog zweier Monster – Lulatsch und Krümelmonster – erklärt den Unterschied zwischen "hier" und "da".Die Kindersendung mit New Yorker Gettho-Flair schockierte einst Eltern und Pädagogen. Aber die bizarre Muppetshow faszinierte ihre Kinder und spaltete die deutsche TV-Republik: Denn der Bayerische Rundfunk, Süddeutsche Rundfunk, Südwestfunk sowie der Saarländische Rundfunk boykottierten zum Starttermin am 8. Januar 1973 die tägliche Ausstrahlung.
Die ersten original Sesame Street-Folgen wurden schon ab August 1972 im dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks gezeigt. Sesame Street startete im US-Fernsehen bereits am 10. November 1969. Happy Birthday – nachträglich.
Ich war gestern nicht da!
Montag, 10. November 2008
Not und Zinsen
Die isländische Finanzaufsicht hat für die in Not geratene Kaupthing-Bank den Entschädigungsfall festgestellt. Damit können nun auch die etwa 30.000 deutschen Kunden der Kaupthingedge ihre Ansprüche gegenüber dem isländischen Einlagensicherungsfonds geltend machen.„Jetzt hat der Fonds maximal drei Monate Zeit, die Anleger zu entschädigen“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Ulrich Hocker. Bis zu 20.887 Euro je Anleger sind durch den isländischen Fonds gedeckt. Der DSW empfiehlt den Betroffenen, ihre Ansprüche so schnell wie möglich anzumelden.
Da alle isländischen Banken Not leidend geworden sind, und selbst der Staat am Rande der Insolvenz fröstelt, wird für den Anleger in Deutschland wohl nicht viel übrig bleiben.
Das Kaupthingsche Tagesgeldkonto wird hingegen immer noch fleißig mit 5,65% p.a. beworben:
Nur ein Troll zahlt darauf noch ein!
Freitag, 7. November 2008
Gartenzwerg

Der Gartenzwerg. Stimmt! Obwohl? Diese weißbärtige Truppe wurde in Tschechien nahe der bayerischen Grenze verhaftet. Die Herkunft der drei Gnome blieb allerdings ungeklärt: Re-Importe, Raub-Kopien aus China oder Muster ohne Wert? Egal - Hauptsache heim ins Gartenreich.
Gegen sechs Euro Kaution das Stück.
Mittwoch, 5. November 2008
Ein New Yorker in Schottland - Ein Texaner an der Schlei
Der US-Milliardär Donald Trump will an der schottischen Küste ein riesiges Touristenresort bauen. Grünes Licht für den ersten Spatenstich erteilte jetzt die schottische Regierung.Insgesamt etwa 1,3 Milliarden Euro sollen in einem bislang unbebauten Strandabschnitt für zwei Golfplätze, 1.000 Luxus-Ferienapartments sowie ein Hotel im gotischen Stil mit 450 Zimmern entstehen. Im Frühjahr 2011 soll der erste Golfball abgeschlagen werden.
Seinen erbittertsten Gegner, den Fischer Michael Forbes, konnte Trump bislang aber nicht zum Verkauf seines Besitzes überreden. "Lieber verschenke ich meinen Grund an fahrendes Volk, als an Trump zu verkaufen", sagte Forbes dem Guardian.
Der stolze Schotte harrt inmitten des künftigen Freizeitzentrums auf seiner Scholle aus. Selbst das Kaufangebot von einer halben Million Euro für sein kleines Grundstück konnten ihn nicht zum Abzug bewegen.
Nun wendet sich Forbes' Zorn auch gegen die schottische Regierung in Edinburgh: "Ich war immer ein stolzer Schotte. Aber jetzt werde ich meine Kilts verbrennen!"
Kilts werden an der Ostsee noch nicht verbrannt, aber an der Schleimündung soll auch ein gigantischer Ferienkomplex entstehen: Port Olpenitz.
Der ehemalige Marinehafen Olpenitz mutiert zur Freizeitidylle der amerikanischen Art. Auf dem 175 Hektar umfassenden Gelände sollen Ferienhäuser, Hotels mit Kapazitäten von 7.000 Betten und ein Jachthafen mit 2.500 Liegeplätzen gebaut werden. Die Investition von 500 Millionen Euro will die US-Immobiliengruppe American Reality Investors (ARL) tragen.
Den NABU-Schleswig-Holstein plagt derweil die Sorge, dass sich die guten Absichten der Texaner nur auf die lukrativen, wassernahen Grundstücke beschränken.
Das Argument der Naturschützer: "Wird dieses Land zuerst bebaut, hat der Investor sein Geld vorzeitig verdient." Und ob dann nach dem "Kasse machen" alle weiteren Projekte auch noch realisiert werden, bezweifelt der NABU allerdings.
Take the money and run.
Dienstag, 4. November 2008
Wie Männer in Deutschland leben
Das Statistische Bundesamt hat nachgezählt: 2007 lebten bundesweit 40 Millionen Jungen und Männer in Privathaushalten. Davon waren elf Millionen ledige Söhne, die im elterlichen Haushalt wohnten. Von den 29 Millionen Männern waren knapp zwei Drittel Ehemänner und ein Viertel ohne Partner. Nur ein Prozent von ihnen waren alleinerziehende Väter.Das Durchschnittsalter aller Ehemänner lag bei knapp 55 Jahre. Die Statistiker ermittelten, dass verheiratete Ehemänner etwa zwei Jahre älter als alleinerziehende Väter waren. Alleinstehende Männer hatten ein Durchschnittsalter von rund 46 Jahren.
Zwei Drittel der Männer betreuten keine Kinder im Haushalt. Hierzu zählen auch Männer, deren Kinder bereits aus dem Haushalt ausgezogen sind. 25 Prozent der Männer zogen in einer Ehe, einer Lebensgemeinschaft oder als allein erziehender Vater mindestens ein Kind unter 18 Jahren groß. Bei acht Prozent der Männer waren alle im Haushalt lebenden Kinder bereits volljährig.
Sechs von zehn Männern gaben an, ihren Lebensunterhalt überwiegend durch Erwerbs- oder Berufstätigkeit zu finanzieren. Rund drei von zehn Männern bestritten demnach ihren überwiegenden Lebensunterhalt durch Rente oder Pension. Etwa jeder zehnte Mann nannte andere Quellen: Arbeitslosengeld, Leistungen durch Hartz IV, Unterhalt durch Angehörige oder das eigene Vermögen.
Geht es uns nicht gut?
Montag, 3. November 2008
Vorsicht Bonifalle!
Bereits vor über sechs Jahren fand diese dreiste Abzock-Methode ihre ersten prominenten Opfer: PDS-Superstar Gregor Gysi und die Grüne Nachwuchshoffnung Cem Özdemir verloren damals ihre Posten. Özdemirs Parteigenossen Rezzo Schlauch und Ludger Volmer konnten durch eine Lösegeldzahlung einen drohenden Rücktritt gerade noch vermeiden.Was war geschehen? Eine "geheime Liste" von Abgeordneten, die ihre dienstlich erworbenen Bonus-Meilen privat verflogen hatten, verschwand im Sommer 2002 aus den Räumen des Bundes der Steuerzahler. Danach erschien sie redigiert und großformatig in der Bild-Zeitung.
In diesem Jahr tauchte nun eine neue perfide Liste im deutschen Blätterwald auf, die von Bahn-Vorständen und ihren Bonus-Zahlungen handelt. Extra-Cash für den Schienenritt an die Börse – quasi als Belohnung für einen gelungenen Betriebsausflug.
Und wer soll dafür seinen Kopf hinhalten? Der Verkehrsminister. Tiefensee. Weil er angeblich davon wusste. Und schon viel früher, als er zugab. Mein Gott! Der hat doch schon so viele Schlingen um seinen Hals.
Die Deutsche Umwelthilfe verklagt ihn wegen der Dieselrußfilter. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat ihre Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Beihilfe zur Vorteilsnahme (Olympia-Bewerbung der Stadt Leipzig im Jahr 2002) zwar eingestellt. Aber wer weiß schon, was die Aktenlage zukünftig noch ans Licht bringen wird?
Diese Liste könnte lang sein.

